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Wirtschaft

DAX auf Rekordniveau: Welche Branchen profitieren, welche verlieren?

Der DAX kletterte erstmals über die 21.000-Punkte-Marke. Doch hinter dem Gesamtindex verbergen sich gewaltige Unterschiede: Technologie und Gesundheit boomen, Autohersteller kämpfen.

Aktienkurs-Bildschirm mit steigenden Graphen in einer Handelsräumen
DAX auf Rekordkurs: Aber nicht alle Konzerne profitieren gleichermaßen. Foto: Unsplash

Der Deutsche Aktienindex hat in dieser Woche erstmals die Marke von 21.000 Punkten überschritten – ein historisches Hoch, das vor einem Jahr kaum jemand für möglich gehalten hätte. Doch die Schlagzeile verdeckt eine wichtige Wahrheit: Der DAX ist kein homogenes Gebilde. Hinter dem Rekordwert verbergen sich Gewinner und Verlierer, die sich kaum unterschiedlicher entwickeln könnten.

Die großen Gewinner: Technologie und Gesundheit

SAP hat in diesem Jahr allein 47 Prozent zugelegt und ist damit zum mit Abstand wertvollsten Unternehmen im DAX aufgestiegen – mit einer Marktkapitalisierung von über 280 Milliarden Euro übertrifft es inzwischen die Siemens-Gruppe um mehr als das Doppelte. Der Grund: Die Nachfrage nach Enterprise-Software und KI-Lösungen ist ungebremst, und SAP hat die Transition zur Cloud überzeugend vollzogen.

Im Gesundheitssektor glänzen Bayer – trotz anhaltender Glyphosat-Prozesse – und vor allem der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers. Letzterer profitiert vom globalen Boom der bildgebenden Diagnostik, der durch den Post-Covid-Nachholbedarf und eine alternde Weltbevölkerung getrieben wird. Fresenius hat nach Jahren des Umbaus ebenfalls wieder Tritt gefasst.

Automobilindustrie: Zwischen Transformation und Krise

Die drei großen deutschen Hersteller – Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz – haben die DAX-Rally weitgehend verpasst. VW steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte: Werksschließungen, Stellenabbau, eine schwächelnde Nachfrage in China. Die VW-Aktie notiert noch immer 30 Prozent unter ihrem Dreijahreshoch.

„Die Automobilindustrie durchläuft eine strukturelle Transformation, keine zyklische Schwäche. Der Markt preist das zunehmend ein." — Dr. Carolin Fassbender, Automotive-Analystin, Deutsche Bank Research

BMW und Mercedes schlagen sich besser, aber auch sie spüren den wachsenden Druck durch chinesische Hersteller wie BYD und NIO, die im Premiumsegment immer aggressiver werden. Die Zeiten, in denen ein deutsches Premium-Emblem automatisch für 20 Prozent Preisaufschlag stand, sind vorbei.

Mittelstand im DAX: Ein vernachlässigtes Thema

Interessant ist ein Blick auf die mittelgroßen DAX-Konzerne, die in der Öffentlichkeit weniger Aufmerksamkeit erhalten: Rheinmetall, der Rüstungskonzern aus Düsseldorf, hat seinen Kurswert in zwei Jahren mehr als vervierfacht. Angesichts erhöhter Verteidigungsausgaben in Europa ist das strukturell begründet, aber moralisch vielschichtig.

Heidelberg Materials und Holcim profitieren vom Infrastrukturausbau in Europa und den USA. Die Energiewende braucht Beton – eine schlichte, aber belastbare Logik. Und der Versicherungsriese Allianz hat seine Position als stabilisierendes Element im Index weiter ausgebaut: Dividendenkontinuität und solides Underwriting-Ergebnis machen ihn zum Favoriten defensiver Anleger.

Was kommt nach dem Rekord?

Die große Frage lautet nun: Ist das Rekordniveau nachhaltig? Vier Faktoren bestimmen die Antwort. Erstens die Entwicklung in China: Gut 20 Prozent der DAX-Unternehmensgewinne hängen direkt oder indirekt am chinesischen Markt. Schwächt er sich weiter ab, wird das an der Frankfurter Börse spürbar sein. Zweitens die EZB-Geldpolitik: Sinkende Zinsen begünstigen Aktien generell, aber sie erhöhen auch die Inflationsrisiken. Drittens die geopolitische Lage: Handelskonflikte mit den USA, insbesondere Zölle, treffen die exportabhängige deutsche Industrie direkt. Viertens die Lohnentwicklung: Steigende Tariflöhne stützen den Konsum, belasten aber die Margen.

Analysten sind gespalten. Goldman Sachs sieht den DAX bis Ende 2026 bei 22.000 Punkten; die Commerzbank ist pessimistischer und prognostiziert einen Rücksetzer auf 19.500. Einig sind sich alle: Das Jahr 2026 wird volatiler als 2025.

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Stefan Berger

Stefan Berger ist Wirtschaftsredakteur bei ITENINAUTO. Er hat Volkswirtschaft in Frankfurt und London studiert und berichtete zuvor für Reuters und das Handelsblatt über europäische Kapitalmärkte.

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Kommentare (1)

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Wolfgang Brinkmann

Guter Überblick. Was ich vermisse: eine Einschätzung zu den Mid-Cap-Werten im MDAX. Die erzählen oft eine ganz andere Geschichte als die 40 DAX-Schwergewichte.